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Therapeutische Landschaft

Therapeutische Landschaft

Kennen Sie Wilbert Gesler? Der amerikanische Wissenschaftler prägte 1992 den Begriff der „therapeutischen Landschaft“. Therapeutische Landschaften zeichnen sich vor allem durch ihre vielfältigen gesundheitsfördernden Aspekte aus. Dazu zählen sowohl medizinische Angebote wie Kur und Kliniken als auch die sie umgebende Natur. Der Schwerpunkt liegt nicht nur auf der Therapie, sondern auf der „Mobilisierung der emotionalen und physischen Gesundheit“, erklärt Dr. Roswitha Mattausch-Schirmbeck, die ehemalige Leiterin des Museums im Gotischen Haus.

Landgräfliche Gartenlandschaft nach oben

Einwohner Bad Homburgs können an alle beschriebenen Kriterien einen Haken machen, und das schon seit sehr viel längerer Zeit, als es den Begriff der therapeutischen Landschaft gibt. Zu verdanken haben sie das einer Reihe von Menschen, an deren Anfang Friedrich V. Ludwig und seine Frau Caroline stehen: Sie begründeten die „Landgräfliche Gartenlandschaft“.

© LANDGRAF FRIEDRICH V. LUDWIG VON HESSEN-HOMBURG (1748–1820) und LANDGRÄFIN CAROLINE (1746–1821) GEB. PRINZESSIN VON HESSEN-DARMSTADT| (c) Museum im Gotischen Haus und Stadtarchiv Bad Homburg

Als der Kurbetrieb im 19. Jahrhundert ins Rollen kam, konnte man daran anknüpfen: „Zu Beginn der Kurzeit in den 1830er-Jahren konnte Homburg seinen Gästen mit der 'Landgräflichen Gartenlandschaft' bereits attraktive Wege, Anlagen und historisch interessante Ziele bieten zu können“, so Mattausch-Schirmbeck. Und ergänzt: „Ein riesiger Glücksfall.“

Ausflugsziele nach oben

Die urbanen und qualitätsvollen Unterkünfte und Einrichtungen einerseits, aber auch ihre Einbettung in die Natur andererseits – diese Verbindung war damals sehr wichtig, und sie ist es bis heute geblieben, ergänzt Stadtarchivarin Dr. Astrid Krüger. Genuss zählte dazu, und auch die weiche, hügelige Landschaft hatte Homburg mit der „Höhe“ zu bieten. „Es durfte nicht zu schroff sein, das wäre zu aufregend gewesen“, fügt Mattausch-Schirmbeck an. Ein weiteres Muss seien möglichst viele attraktive Ausflugsziele in der Umgebung gewesen, die man nachmittags habe „ergehen“ können. Dazu zählten unter anderem der Herzberg und die Saalburg.

Seinerzeit wurden die Wege ausgebaut und die Ziele, ausgehend vom Lennéschen Kurpark über den Hardtwald, erstmals in großem Umfang touristisch erschlossen: In der Folge entstand eine Vielzahl an Schutzhütten, Ruhebänken und Gaststätten für die Kurgesellschaften. Die Wege wurden so angelegt, dass sie nicht nur „für Landleute, sondern auch mit feinen Stiefelchen“, so Mattausch-Schirmbeck, begehbar waren. Die Stadt selbst bot ebenfalls viele attraktive Orte: „Die Meierei im Kleinen Tannenwald beispielsweise wurde sehr intensiv von den Kurgästen genutzt.“ Bei der Hege und Pflege tat sich der 1860 gegründete Verschönerungsverein besonders hervor. Er nahm auch die 1813 gepflanzte Luthereiche unter seine Fittiche, einen weiteren sehr beliebten Treffpunkt.

Aussichtspunkte nach oben

Vor allem die Aussichtspunkte seien für die Landschaftsentwicklung des 19. Jahrhunderts sehr wichtig gewesen. Der „Elisabethenstein“ war seinerzeit das erste große Ziel außerhalb der landgräflichen Gartenanlagen. Der Blick konnte weit in die Ferne schweifen, aber: „Wir sind heute wesentlich andere Landschaftsbilder gewohnt als damals“, sagt Mattausch-Schirmbeck. Das hatte auch damit zu tun, dass es fast keinen Wald gab, die Aufforstungsmaßnahmen in und um Homburg begannen erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts.

Den Aussichtsturm Ellerhöhe im Hardtwald beispielsweise gibt es heute noch, auch Herzberg, Saalburg und Feldberg sind nach wie vor beliebte Anlaufstellen - auch wenn dort heute nur noch Unerschrockene im Freien übernachten würden: „Man fährt Nachmittag zu guter Zeit weg, um die Sonne untergehen zu sehen, und bleibt an einem großen Feuer, einige Tassen Caffee und Gläser Punsch, die Nacht durch oben“, schreibt Eduard C. Trapp 1837 in dem Buch „Homburg und seine Heilquellen“. Wie es danach weiterging, wusste C. Strahlheim ein Jahr später in „Zwölf Ansichten der Residenz und Cur-Stadt Homburg vor der Höhe und ihrer Umgebungen“ zu berichten: „Ein allgemeines Abfeuern der Gewehre kündet das prächtigste Schauspiel der Natur, den Aufgang der Sonne an und ein jeder entreißt sich nun dem Schlummer.“ Aussichtspunkte, schöne Parks und Gärten, attraktive Ausflugsziele – „Man musste was bieten, das waren Standortfaktoren“, ergänzt Dr. Astrid Krüger, das gilt heute noch genauso wie damals.

Fitnessprogramm nach oben

Auch für die derzeit wieder stark angesagten Fitness-Studios finden sich Vorläufer in der therapeutischen Landschaft des 19. Jahrhunderts, weiß Dr. Astrid Krüger zu berichten. „Die Kurbäder hatten auch die Funktion, die Bewegung zu etablieren: Man ging beispielsweise damals schon mit Bewegung gegen Fettleibigkeit vor.“

Tennis Postkarte

Kurarzt Dr. Hamel führte, zunächst im Kurhaus, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Form der apparategestützten Heilgymnastik ein, die auf den schwedischen Arzt und Physiotherapeuten Gustav Zander zurückging. „Die Geräte sahen fast genauso aus wie die heutigen“, so Dr. Krüger weiter. Auch Golf und Tennis haben in Homburg früher Fuß gefasst als auf dem Rest des Kontinents.

Kurpark nach oben

Im Zentrum steht jedoch der Kurpark: Er ist das „Herzstück des außergewöhnlichen universellen Wertes der Stadt“, schreibt Dominique Jarrassé, Professor für zeitgenössische Kunstgeschichte an der Universität Bordeaux und an der „Ecole du Louvre“ in Paris. Mittlerweile hat die Stadt ein Parkpflegewerk verabschiedet, mit dessen Hilfe unter anderem der Originalzustand des Parks so weit wie möglich wiederhergestellt werden soll. Jarrassé: „In gewisser Weise bildet er das Gedächtnis des Bäderortes und seiner Geschichte.“ 

Vor allem der Kurpark bietet heute noch ein unvergleichliches Ambiente für eine Tätigkeit, die allerdings außer Mode gekommen ist: Früher hieß es müßiges Promenieren, heute Laufen ohne Sinn und Zweck. Seine Qualität und der Erhaltungszustand sind vorbildlich, ebenso wie die Brunnenallee bis hin zum Jubiläumspark. Mattausch-Schirmbeck: „Dort ist die geschichtliche Entwicklung von 1830 bis 1914 noch bis heute zu erleben.“

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