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Der Gustavsgarten

2011 wurde der einzig erhaltene Prinzengarten im Sinne des klassischen Englischen Gartens von der Stadt Bad Homburg gekauft.

Geschichte nach oben

Gustav und Louise zogen sich gern in ihren Garten zurück. „Accatium“ nannte ihn die landgräfliche Familie liebevoll – nach den Akazien, mit denen der am Park entlangführende Verbindungsweg von der Tannenwaldallee zum Kleinen Tannenwald – die heutige Kreuzallee – bepflanzt war. Um ihn zu schaffen, hatte Landgraf Friedrich V. Ludwig das Gelände 1775 erworben und den großen Restteil seiner Gattin Caroline zur Gestaltung nach ihren Vorstellungen überlassen.

© Dorischer Tempel| Stadt

Nachdem der älteste Sohn, Friedrich VI. Joseph, die Regentschaft und das Erbe übernommen hatte, bedachte er seinen drittjüngeren Bruder Gustav 1822 mit dem Grundstück. Dessen Frau Louise Friederike war als Prinzessin des Hauses Anhalt-Dessau im Wörlitzer Gartenreich aufgewachsen und schuf im Gustavsgarten ein kleines verträumtes Paradies im Sinne der englischen Gartenkunst. Baum- und Buschgruppen umstanden die geschwungenen Rasenflächen, sorgfältig gewählte Blickachsen lenkten das Auge und exotische Pflanzenraritäten fanden die Bewunderung gern eingelassener Besucher. Neben einem Gartenhaus ließen Louise und Gustav 1830 auch einen Musik- und Teesalon errichten, den Dorischen Tempel. Er ist dem Blumengartenhaus im Schlosspark Georgium von Dessau nachempfunden.

1898 erwarb der Frankfurter Bankier Wertheimber das Grundstück und erweiterte es durch den Ankauf des östlichen, zum Louisgarten hin gelegenen Geländes. Wertheimber erbaute eine prächtige Villa, ein Pförtnerhaus und eine Remise. 1938 enteigneten die Nationalsozialisten nach gegenwärtigem Kenntnisstand das Anwesen Wertheimbers, beziehungsweise zwangen die Familie zum Verkauf. Seine Erben erhielten es 1947 zurück. Nach 1948 richtete man in der Villa ein Hirnverletztenheim ein, das zwischen 1970 und 1980 Anbauten erhielt und in Neurologische Klinik umbenannt wurde. Sie schloss 2004 ihre Tore. Im April 2011 ging der Gustavsgarten in das Eigentum der Stadt Bad Homburg über.

Ist-Zustand nach oben

Der Gustavsgarten blieb als einziger der Prinzengärten bis heute als Parkanlage erhalten. Auch Elemente seiner ursprünglichen Gestaltung sind noch vorhanden. Bereits seit 1988 stehen der Park, die Villa, das Pförtnerhaus und der Dorische Tempel unter Denkmalschutz.
Nach dem Kauf ging die Stadt Bad Homburg unverzüglich daran, den historischen Baumbestand sowie die Gebäude zu sichern und auf dem gesamten Gelände für die Verkehrssicherheit zu sorgen. Inzwischen kann der Gustavsgarten, der etwa 240 Jahre für die Öffentlichkeit verschlossen war, besichtigt werden.

Ziele nach oben

Die Stadt Bad Homburg wird den Gustavsgarten als klassischen Englischen Garten erhalten und dort wiederherstellen, wo in den vergangenen Jahrzehnten Eingriffe vorgenommen wurden. Das bedeutet auch den weitgehenden Abriss der Klinikbauten aus den 1970er Jahren.

Die denkmalgeschützte Villa Wertheimber soll zum Kulturzentrum werden. Es wird unter anderem das Stadtarchiv beherbergen, aber auch zur Hölderlingedenkstätte mit einem besonderen Kabinett, einer Ausstellung und der Hölderlinwohnung werden.

Als erste Schritte werden das Gelände vermessen, der Baumbestand, Flora und Fauna, das Wegenetz, Blickachsen sowie die Bauten wissenschaftlich erfasst und dokumentiert. Parallel laufen die historischen Recherchen über die Phasen, in denen die Parkanlage geschaffen und verändert wurde. Auf der Grundlage aller Ergebnisse wird ein Parkpflegewerk zu erstellen sein, das neben einem Maßnahmenkatalog für die wiederherzustellenden Einzelelemente auch ein Pflegekonzept für den Park enthält.

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